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Paul ist 15 Jahre alt und lebt mit seinen streitenden Eltern im Osten Hamburgs. Gemeinsam mit seinen drei Freunden erkundet er das Leben durch die Augen von Teenagern, die Arbeitslosigkeit und brüchige Familienstrukturen kennen, die ahnen, dass die Zukunft für sie schwer werden wird, und die sich trotzdem nicht den Spaß an ihrer Jugend nehmen lassen. Sie sind die Söhne frustrierter Eltern, Einzelkinder und schwarze Schafe der Familie. Jeder einzelne von ihnen versucht, auf seine eigene Weise mit dem Leben fertig zu werden. Mal unverschämt, mal schüchtern und ängstlich, mal voller Wut reagieren sie auf die Einflüsse, die ihr Umfeld für sie bereit hält.
Da ist Tobi, der die Ablehnung seiner Mutter zu spüren bekommt, als sie sich für ihren neuen Freund entscheidet und gegen ihn. Da ist Dominik, der seine Freundin unerwartet schwängert und sie anschließend dazu bringt, das Kind abzutreiben. Da ist Marko, der für die meisten Menschen bloß Abneigung empfindet, weil er unter einem
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gewalttätigen Vater aufwächst, und der einen Ausweg sieht, indem er kriminell wird. Und da sind all die anderen, die Freunde, Bekannten, Klassenkameraden, Mädchen, die von mehr träumen, und Jungs, die sich ihrer Situation nicht bewusst sind. Da sind auch die ohnmächtigen Lehrer, die Wochenendparty-Freaks und die Leute, die lieber wegkucken.
Es sind solche Umstände und Figuren, durch welche die Freundschaft der Jungen auf die Probe gestellt wird. In sehr kurzer Zeit brechen die Ereignisse über den Jungen zusammen und übrig bleiben Stücke, die sich nicht mehr ganz so leicht wieder zusammensetzen lassen.
Fester Einband, 352 Seiten, September 2009 Verlag Rogner & Bernhard
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» Leseprobe
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Marko sagt, dass ein Junge aus seiner Nachbarschaft am Dienstag von einem Jungen aus einer ganz anderen Gegend erschossen wurde. Wir sitzen auf einem umgeworfenen Holzpflock auf dem Spielplatz beim Eulenkamp und starren in den Himmel hinauf und da erzählt uns Marko, wie er die Schüsse gehört hat. Wir haben erst den 30. Januar, aber es ist schon über fünfzehn Grad warm. Tobi atmet tief ein und stöhnt. Er hat sein Handy in der Hand und lässt Musik laufen; Fanny Girl rappt »Lexem« auf »einen stehen«. Von der Straße dröhnt ein Motorrad zu uns herüber. Marko erzählt, wie es passiert ist: »Der Typ steht beim Fußballfeld, drüben hinter dem Naumannplatz. Er dealt gerade, als dieser andere Typ ankommt und ihm in den Hals schießt. Dann rennt er weg. Er schießt dem Jungen in den Hals und haut einfach ab! Da waren ein paar Kids in der Nähe, die haben Hilfe gerufen. Und der Junge ist an seinem Blut erstickt. Von Schüssen in den Hals stirbt keiner, aber wenn das Blut fließt und keiner drückt ’ne Hand drauf, verblutest du.« »Ich glaub kaum«, sagt Dominik. »Doch, doch.« Marko nickt mit dem Kopf und schnippt die Asche von seiner Zigarette. Fanny Girl rappt »Sozialisation« auf »Liaison« und beides auf »Aids-Infektion«. »Wisst ihr nicht, wie das ist, wenn euch einer anschießt und die Kugel geht auf der einen Seite eures Körpers rein und auf der anderen wieder raus?«, sagt Marko und zeigt mit der Zigarette auf uns. Tobi schüttelt den Kopf. »Nein«, sagt Dominik. »Was? Echt nicht?« »Obwohl …«, sagt Dominik und spuckt neben sich. »Jetzt, wo du’s sagst, erinner ich mich. Da war mal was bei mir.« Tobi lacht und Marko gibt Dominik einen Tritt. Fanny Girl rappt »Studentin« auf »Schwanzlutschakademieabsolventin«. Ein Lastwagen fährt scheppernd vorbei. Für einen kurzen Augenblick kann ich nicht hören, was Dominik sagt. Dann schiebt sich eine Wolke vor die Sonne und über den kleinen grünen Hügel legt sich ein Schatten. Ich reibe mir mit einer Hand über den Oberarm und spiele mit meiner Spucke, indem ich die Lippen spitze. Von irgendwoher rieche ich einen fischigen Geruch. Tobis Handy klingelt und er macht die Musik aus und geht ran. Er nickt bloß mit dem Kopf und sagt: »Ja. Ja. Ja.« Dann legt er auf und macht die Musik wieder an. »Deine Mutter?«, sagt Dominik. Dann erzählt Marko von dem Porno, den er vor kurzem gesehen hat – ein dünner Mann mit einem Riesenschwanz fickt eine fette Frau. Er steht auf und spielt die Szene nach, indem er Beckenstöße macht und so tut, als würde er die Frau dabei schlagen. Auf den Holzpflock, auf dem wir sitzen, haben Kinder und Jugendliche ihre E-Mail-Adressen gekritzelt. Dominik streicht mit einer Hand über das Holz. Du Hure steht drauf und
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. Die Wolke zieht an der Sonne vorbei und das Kiesfeld wird wieder hell. Ich sehe die Überreste eines aufgeweichten und ausgetrockneten Böllers beim Gebüsch an der Straße. »Habt ihr schon mal ’ne Fotze am Hals gehabt?«, fragt Marko, als er sich wieder hinsetzt. »Nee«, sagt Dominik. »Wir sind bei unserer Geburt alle aus dem Arsch gekrochen.« »Ich nicht«, sagt Tobi. »Ich bin per Kaiserschnitt.« »Ich will Kacke essen«, sagt Marko. Keiner reagiert darauf. Fanny Girl rappt irgendwas.
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